Ölpreis belastet Erdölfonds und Investoren

Ölpreis belastet Erdölfonds und ihre Investoren finanziell, denn die Einnahmen decken oft kaum die Ausgaben. Wie können Fonds und Investoren ihre Chancen wahren?

Ölpreis weiter unter 70 Dollar/Barrel

Nach den Höchstwerten 2011 und 2012 begannen die durchschnittlichen Rohölpreise 2013 langsam zu sinken. Der Preisrückgang hätte noch unter „normale“ Preisschwankungen abgebucht werden können.

Ab dem zweiten Halbjahr 2014 kam es jedoch infolge des Fracking- und Schieferöl-Förderbooms in den USA und der gleichzeitigen Verringerung der Weltölnachfrage zu einer deutlichen Überversorgung des Ölweltmarktes.*

In ähnlichen Situationen entschieden die OPEC-Staaten in der Vergangenheit häufig gegenzusteuern. Doch im Jahr 2014 fanden sie nicht zu entsprechenden Entschlüssen. Die Rohölwerte gerieten massiv unter Preisdruck und sanken von 113 Dollar im Juli auf unter 60 Dollar/Barrel am Jahresende.

Im Durchschnitt ergab das immerhin noch ein Jahresmittel-Ölpreis für 2014 von 98,3 Dollar je Barrel.

Da die OPEC-Staaten auf ihrer November-Konferenz 2014 immer noch keinen Förderschnitt beschlossen, beschleunigte sich der Preisverfall am Rohölmarkt nochmals – der Ölpreis lag zum Jahresende 2014 unter 60 Dollar/Barrel.

Ölpreis in Dollar (WTI)
Ölpreis in Dollar (WTI) Chart – 1 Jahr – Quelle: finanzen.net

Im Januar 2015 erkannte die Internationale Energieagentur (IEA) zwar Anzeichen für eine Wende beim Ölpreis, doch kurzfristig wäre ein weiterer Preisverfall wahrscheinlicher (Handelsblatt).

Dass die Ölkonzerne bereits neue Projekte zurückstellten und Jobs strichen, wodurch das Angebot sinke, werde sich nur längerfristig auswirken. Demgegenüber sei außer in den USA keine erhöhte Nachfrage zu erwarten, da die wirtschaftliche Gesamtlage schlecht sei.

Die Experten sehen auch für den Ölpreis in den nächsten Monaten noch keinen deutlichen Ansteig – auch wenn der „Goldrausch“ der Fracking-Firmen zuende gehe:

„Mit dem Preiseinbruch von Erdgas in den USA ab 2009 und seit 2014 von Erdöl neigt sich der Schiefergasrausch vermutlich seinem Ende entgegen. Es bleibt eine interessante Frage, wie lange die Firmen den Preisverfall finanziell durchhalten und wann die Investoren sich anderen (sichereren) Investitionsmöglichkeiten zuwenden, nachdem diese Anlageform als höchst spekulativ erkannt wird.“ (EWG-Study, S. 56)

Insbesondere die Führung in Saudi-Arabien hofft, mit billigem Öl zusätzlich den Ölboom in den USA auszubremsen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, weil Fracking nicht nur zunehmend mit Umweltzerstörungen verbunden ist, gegen die sich erster Widerstand auch in den Fracking-Boom-Regionen der USA entwickelt. Der Fracking-Boom hat auch zu einer finanziellen Entwertung der Öl- und Gasreserven geführt.

Für Kapitalanleger zeichnet sich bei dem niedrigen Ölpreis für ihre Engagements in Erdölfonds und Erdgasfonds eine Durststrecke ab, die sicher nur mit persönlichem finanziellen Einsatz (Verzicht auf geplante Ausschüttungen, freiwilligem Nachschuss oder Rückzahlung von Ausschüttungen, zusätzlichen Darlehen…) den Erhalt Ihres Sachvermögens sichern kann.

Wer diese (finanzielle) Kraft aufbringt, kann auch künftig noch am Rohstoff Nr. 1 viel Geld verdienen. Im World Energy Outlook 2014 geht die IEA noch davon aus, dass bis zum Jahr 2040 der Weltenergiebedarf um 37 % zunimmt und die Energieversorgung durch Kohle und Öl bis dahin wachsen, sich anschließend auf dem Verbrauchsniveau einpendeln werde.

Quellen:

*Einen ausführlicheren Überblick über die Entwicklung der unkonventionellen Öl- und Gasförderung in den USA sowie deren Ursachen finden Sie in der New Energy Watch Group Study: End of Fracking Business, S. 9ff

Zu den Hintergründen des Ölpreis-Krieges in deutsche-wirtschafts-nachrichten.de, 27.07.2015

handelsblatt.com, 16.01.15, manager-magazin.de, 14.01.2015

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